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Dumbleland Special #011 –
eine technische Analyse

Howard Alexander Dumble hat nie für einen Katalog gebaut. Es gab keine Serienproduktion, keine Stücklisten aus der Fabrik, keinen Vertrieb. Jeder Verstärker, der seine Werkstatt verließ, war ein Einzelstück — und die meisten verschwanden hinter verschlossenen Türen, in Privatsammlungen oder auf unerreichbaren Bühnen großer Musiker. Technisch ist nicht viel bekannt… bis jetzt!

Der Overdrive Special machte den Namen unsterblich. Aber bevor es ihn gab, baute Dumble eine Serie, die selbst unter Kennern kaum mehr als ein Gerücht ist: den Dumbleland Special. Je nach Quelle existieren zehn bis zwölf Exemplare. Alle von Hand, alle aus den späten Siebzigern, alle mit einer Schaltungsphilosophie, die Dumble danach teilweise weiterverfolgte — und teilweise verwarf.

Persönliche Anmerkung

Dass so ein Verstärker bei uns auf der Werkbank landet und wir ihn in Ruhe dokumentieren dürfen — das ist nicht selbstverständlich. Für mich persönlich ist es schlicht unfassbar.

Soweit bekannt existiert ein einziger weiterer Schaltplan eines Dumbleland Special: die Nummer 008, selbst herausgezeichnet. Dumbleland Special #008 wurde bereits auf Reverb angeboten. Offizielle Unterlagen gibt es natürlich nicht. Wer die beiden Pläne nebeneinanderlegt, sieht sofort, dass sie sich an etlichen Stellen unterscheiden. Vermutlich Modellentwicklung bei Dumble selbst, der Verstärker angeblich persönlich an die Kunden anpasste. Nachträgliche Modifikationen an unserem Exemplar sind natürlich nie ganz auszuschließen, erscheinen aber an den meisten Stellen eher unwahrscheinlich. Wo Zweifel bestehen, ist das im Plan vermerkt.

Was hier folgt, ist ein Stück Verstärkergeschichte. Amp-Archäologie deluxe.
Nach bestem Wissen und Gewissen erforscht, Fehler sind natürlich nicht auszuschließen.

Schaltplan

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Eisen, das man sehen und hören kann

Das Erste, was auffällt: Die Trafos sind riesig. Der Netztrafo ist ein Triad R-25A — ein Kaliber, das man eher in einer HiFi-Endstufe erwarten würde. Interessant dabei: Die 5-V-Wicklung bleibt ungenutzt, eine der beiden 6,3-V-Wicklungen versorgt ausschließlich die Pilotlampe. Dumble hat sich hier bewusst einen überdimensionierten Trafo ausgesucht und nur das genommen, was er brauchte.

Der Ausgangsübertrager kommt von Western Transformers aus Portland, Oregon und trägt die Kundennummer 29-1312 — vielleicht eine Sonderbestellung? Die Drossel ist eine Triad C-40X.

Choke-Input-Siebung: Dumble denkt anders

Ein Detail, das sofort ins Auge springt, wenn man den Schaltplan liest: Die Drossel sitzt vor dem ersten Anodenabgriff. Das ist eine Choke-Input-Filterung — ein Prinzip, das man von frühen Fender Pros oder dem Orange 200 kennt. Es sorgt für eine weichere, strombegrenzte Hochspannung und damit für ein natürliches Sag-Verhalten.

Aber Dumble wäre nicht Dumble, wenn er einfach kopiert hätte. Die Werte für Widerstand und Induktivität weichen deutlich von Fender und Orange ab — kleiner gewählt, kontrollierter. Das Ergebnis: Sag ja, aber ohne Schwamm. Nachgiebigkeit mit Kontrolle.

Die großen Filterkondensatoren tragen Codes von 7717 bis 7839 — 17. Woche 1977 bis 39. Woche 1978. Das stützt eine Fertigstellung 1978–79.

Die Vorstufe des Dumbleland Special #011: Bekanntes Schema, unbekannte Werte

Die Eingangsstufe folgt dem klassischen Dumble-Aufbau: Rock/Jazz-Umschaltung, Deep, Bright — alles da, alles wie erwartet. Spannend wird es nach der zweiten Triode: Hier hat Dumble eine zusätzliche Klangregelung eingebaut, die einer Baxandall-Schaltung ähnelt. Beschriftet als „Step“ — getrennt für Höhen und Bässe.

Diese Step-Schaltung ist von anderen Dumble-Amps grundsätzlich bekannt. Aber mit diesen Bauteilwerten? Äußerst selten dokumentiert.

Danach folgt ein klassischer Kathodenfolger, und dann der Master Volume: Ein 1-MΩ-Poti, das bei Mittelstellung schon 30 % durchlässt. Übersetzt: Dieser Amp ist bei 12 Uhr bereits sehr laut. Zimmerlaustärke ist hier nicht vorgesehen.

Phasendreher und Endstufe

Die Phasenumkehr übernimmt eine 12AU7 in einer Long-Tail-Pair-Schaltung — solide, erprobt, unauffällig. Was nicht unauffällig ist: Dahinter sitzt eine 12BH7 als dedizierte Treiberstufe für die Endstufengitter. Die 12BH7 kann deutlich mehr Strom liefern als die üblichen 12AX7 oder 12AT7 und stellt sicher, dass die Endröhren sauber und mit voller Ansteuerung arbeiten. Dumble hat hier eine Stufe mehr investiert, als die meisten Amp-Bauer es tun würden.

Die Endröhren sind 6550 — Röhren, die man häufiger in HiFi- oder Bass-Amps sieht als in Gitarrenverstärkern. Und der entscheidende Punkt: Dumble betreibt sie hier nicht ultralinear. Stattdessen liegen die Schirmgitter über 550-Ω-Widerstände an der Versorgung. Das klingt nach einem kleinen Detail, verändert aber den Charakter grundlegend: Weniger straff, weniger linear, dafür mehr Eigenleben, mehr Kompression — mehr Amp.

Fixed Bias, wie man es erwarten würde. Der Bias-Kreis ist schlicht gehalten — kein Hexenwerk.

Der NFB-Abgriff wird zusammen mit der Ausgangsimpedanz umgeschaltet. Wechselt man den Lautsprecheranschluss, ändert sich automatisch auch der Gegenkopplungswert. Das ist keine Spielerei, sondern eine gezielte Korrektur: Unterschiedliche Impedanzen am Ausgangsübertrager verändern das Übersetzungsverhältnis und damit den Dämpfungsfaktor — Dumble gleicht das über den NFB-Wert wieder aus, damit der Amp an jeder Last kontrolliert klingt.
Das kann man auch einfacher lösen, aber der Meister macht es richtig!

Spuren und Rätsel

Ein handgebauter Dumble ist immer auch ein Archäologieprojekt. Bei #011 sind uns mehrere Eigenheiten aufgefallen:

Standby-Leuchte:
Vermutlich nachgerüstet — noch bei Dumble selbst? Die Widerstandstypen sind sonst nicht im Verstärker zu finden.

Loch in Chassis:
Auch dieses Loch ist uns unerklärlich.

„A“-Ringe an Leitungen:
Funktion unbekannt. Produktionskennzeichnung? Sortierung?
Für A-node kann es nicht stehen, denn manche Leitungen sind auch Kathodenanschlüsse.

Löcher in Backpanel:
Warum sich zwei Löcherim Backpanel befinden, kann nicht erklärt werden. Und warum zwei unterschiedliche Schrauben/Muttern verwendet wurden, um diese zu verschließen, ebensowenig.

Verschlossenes Chassis-Loch:
Frühere Dumbleland-Modelle trugen hier einen Kondensator, der bei #011 auf die Platine verlegt wurde — die Serie hat sich im Laufe der Fertigung weiterentwickelt.

Handschriftliche Beschriftung auf einem Kondensator?: Leider nicht entzifferbar — vielleicht ein Autogramm des Herstellers? Sonst findet sich im Chassis keine Unterschrift.

Fun Fact:
Der NFB-Anschluss am Impedanzwahlschalter war vermutlich nie wirklich angelötet, wenn dann nur mit sehr wenig Lötzinn. Hat über die Jahre aber gut gehalten, weil Herr Dumble die Anschlussenden um die Terminals gewickelt hat und dann erst verlötet. So wie es sich gehört: mechanische Stabilität gewährleisten bevor Lötzinn verwendet wird.

Was bleibt

Der Dumbleland Special #011 ist kein Overdrive Special, kein Steel String Singer — er ist etwas Früheres, Roheres, Experimentelleres. Die Kombination aus Choke-Input-Siebung, 6550 ohne Ultralinear, dreifach kaskadierter Klangregelung, 12BH7-Treiber und schaltbarer Gegenkopplung zeigt einen Konstrukteur, der Grenzen austestete. Manche dieser Ideen finden sich in späteren Dumble-Designs wieder, andere wurden verworfen.

Für Schaltungsarchäologen ist dieser Amp eine Fundgrube. Für alle anderen: eines der seltensten Exemplare einer der seltensten Serien im Gitarrenverstärkerbau.
Und er steht zum Verkauf!

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