Captain Amp Mods
Marshall SV20 Studio Vintage
Der SV20H ist Marshalls Antwort auf die Frage, die sich seit Jahrzehnten jeder stellt: Wie bekomme ich den 1959 Super Lead Plexi-Sound, ohne die Nachbarn, den Mischer und meine Ohren in den Wahnsinn zu treiben? Seit 2019 gibt es die Antwort in Form eines 20-Watt-Topteils, das die Schaltung des legendären 1959SLP in ein handliches Format packt. Zwei EL34 in der Endstufe, drei ECC83 in der Vorstufe (davon eine als Phasensplitter), vier Eingänge in der klassischen „High Treble / Normal“ Aufteilung und ein 3-Band-EQ mit Presence-Regler – also Plexi, wie es im Buche steht.
Die Leistungsreduzierung auf 5 Watt über den Standby-Schalter gibt es obendrauf, ebenso wie ein serieller Effektweg und ein DI-Ausgang – Features, die man beim originalen Plexi vergeblich sucht. Und das Ganze wiegt gerade mal 9,25 kg. Als Topteil heißt er SV20H, als Combo SV20C – intern identisch.
Die ganze Kiste gibt es, Stand 2025, neu für rund 830€. Für einen echten Vollröhren-Plexi mit EL34 eine Ansage. Gebaut wird in England, nach bewährtem britischen Design und mit soliden Bauteilen. Klanglich liefert der SV20 ab Werk schon richtig guten Plexi-Ton. Aber „richtig gut“ ist uns bekanntlich nicht gut genug.
Denn bei genauerem Hinsehen gibt es ein paar Punkte, an denen man schrauben kann – und sollte.
Verbesserungspunkte
Wer einen SV20 besitzt, wird relativ schnell auf ein paar Eigenheiten aufmerksam. Und wer über den Kauf nachdenkt – hier unsere Ansatzpunkte:
Der High-Treble-Kanal hat einen Bright Cap (4,7nF) über dem Lautstärkeregler. Klassisch Plexi, so weit so gut. Das Problem: Bei niedrigen bis mittleren Lautstärkeeinstellungen überwiegt der Höhenanteil deutlich (ich möchte fast sagen extrem!). Das Ergebnis ist ein spitzer, fast schriller Ton, der erst bei höheren Lautstärken – wenn der Bright Cap schaltungstechnisch an Einfluss verliert – in den gewünschten Bereich kommt. Wer den Amp also nicht voll aufdrehen kann (und das sind die meisten von uns), kämpft ständig mit zu viel Höhen im High-Treble-Kanal. Klar, man kann auf den Normal-Kanal ausweichen oder die Kanäle jumpern – aber das macht es nur wenig besser. Das Problem bleibt.
Der SV20 hat, wie das Plexi-Original, keine Master-Lautstärkeregelung. Die beiden Lautstärkeregler steuern nur die jeweiligen Kanäle in der Vorstufe. Das heißt: Wer den vollen, gesättigten Plexi-Ton will, muss die Endstufe in die Sättigung fahren – und das ist selbst bei 20 Watt verdammt laut. Die 5-Watt-Stellung hilft, aber der Ton verändert sich dabei hörbar, weil die Anodenspannung reduziert wird. Was fehlt, ist ein Regler, der die Lautstärke nach der Vorstufe und vor der Endstufe regelt, ohne den Grundcharakter des Tons zu verändern.
Die Endstufe des SV20 arbeitet mit Kathoden-Bias. Das hat den Vorteil, dass man Röhren tauschen kann, ohne den Ruhestrom nachstellen zu müssen – praktisch und wartungsfreundlich. Klanglich bringt Kathoden-Bias aber mehr „Sag“, also eine weichere, komprimiertere Ansprache. Dem einen gefällt das, dem anderen fehlt der direkte, spritzige Antritt, den man von den großen Fixed-Bias Plexis kennt.
Dazu kommt: Der SV20 hat keine Drossel (Choke) im Netzteil. Die Drossel ist ein klassisches Element in den großen Marshall-Verstärkern und sorgt für eine bessere Siebung der Versorgungsspannungen. Ohne Drossel ist die Spannungsversorgung etwas „ruppiger“, was sich in weniger Dynamik und geringerer Saitentrennung äußert.
Bright Cap bei Zimmerlautstärke zu dominant. Keine Möglichkeit, die Gesamtlautstärke unabhängig vom Ton zu regeln. Endstufe etwas komprimiert und weniger direkt als bei den großen Plexi-Vorbildern.
Modifikationen
Genug beschwert, was kann man machen?!
Schaltbarer Bright Cap: Der Bright Cap am High-Treble-Kanal wird über einen dreistufigen Kippschalter regelbar gemacht. In der Mittelstellung ist der Bright Cap komplett aus dem Signalweg genommen – für einen warmen, ausgeglichenen Ton, auch bei niedrigen Lautstärken. Die eine Seite schaltet einen modifizierten, reduzierten Bright Cap in den Signalweg, der die Höhen dezent anhebt, ohne dass es spitz wird – ideal bei moderater Lautstärke oder mit Humbuckern. Die andere Seite aktiviert den originalen 4,7nF Bright Cap wie ab Werk – für die volle Plexi-Brillanz, wenn der Amp aufgerissen wird. Drei Stufen statt Alles-oder-Nichts, damit der High-Treble-Kanal bei jeder Lautstärke und mit jeder Gitarre funktioniert. Einfach, effektiv, und das Beste: komplett reversibel.
Choke-Mod: Die Drossel muss rein – Punkt! Das kennen wir vom DSL20, und der Effekt ist beim SV20 genauso überzeugend. Die Drossel im Netzteil sorgt für eine sauberere Siebung der Versorgungsspannungen. Das Ergebnis: mehr Dynamik, bessere Saitentrennung, weniger Kompression. Die Ansprache des Verstärkers wird direkter, der Antritt wird explosiver. So wie wir das von den alten 100-Watt Plexi-Amps kennen. Klingt leider viel zu gut um wahr zu sein, ist es aber – also gut UND wahr!
Master-Mod: Ein Post-Phase-Inverter-Master-Volume wird nachgerüstet. Dieser Regler sitzt zwischen der Phasenumkehrröhre und den Endstufenröhren und regelt die Gesamtlautstärke des Verstärkers, ohne den Grundton zu verändern. So lässt sich der volle, gesättigte Plexi-Ton auch bei Zimmerlautstärke genießen. Die Kanalregler bleiben für die Klangformung zuständig, der PPIMV kümmert sich nur um die Lautstärke. Der Effektweg bleibt davon unbeeinflusst. Wer will, kann den PPIMV auch fußschaltbar haben und dann auch als Solo-Boost nutzen – in umgekehrter Logik:
Master an -> Rhythmuslautstärke
Master aus -> Sololautstärke
Fixed-Cathode-Bias Board: Hier wird es speziell – und hier profitiert der SV20 direkt von unserer Erfahrung mit dem DSL20, denn beide Verstärker arbeiten auf der gleichen Plattform mit zwei EL34 und Kathoden-Bias. Wir verbauen unsere bewährte Zusatzplatine, die den Wechsel zwischen zwei Betriebsarten über den Standby-Schalter ermöglicht:
High: Fixed-Bias mit hoher Anodenspannung
Low: Kathoden-Bias mit niedriger Anodenspannung
Im High-Modus bekommt der SV20 den direkten, spritzigen Attack, den man von den großen Fixed-Bias Plexis kennt – volle Leistung, maximale Dynamik. Im Low-Modus wird es weicher und bluesiger, die Kathoden-Bias-Schaltung übernimmt und die Leistung ist reduziert. Zwei Verstärker in einem, umschaltbar über den vorhandenen Standby-Schalter.
KOMPLETTPAKET
- Schaltbarer Bright Cap
- PPIMV Master
- Choke-Mod
- Fixed-Cathode-Bias
277,00 €
EINZELNE MODIFIKATIONEN
Schaltbarer Bright Cap
Bright Cap am High-Treble-Kanal per Schalter aktivierbar/deaktivierbar. Volle Kontrolle über den Höhenanteil – bei jeder Lautstärke. 3-stufig
57,00 €
Choke – Mod
Nachrüsten einer Drossel im Netzteil – der Sound wird dynamischer, die Ansprache direkter. Mehr Saitentrennung, weniger Kompression.
67,00 €
Master-Mod
Post-Phase-Inverter-Master-Volume zur Regelung der Gesamtlautstärke. Der volle Plexi-Ton bei jeder Lautstärke.
107,00 €
Fixed-Cathode-Bias Umschaltung im Standby-Schalter
High: Fixed-Bias mit hoher Anodenspannung
Low: Kathoden-Bias mit niedriger Anodenspannung
Mit Zusatzplatine im Amp.
127,00 €
Inspektion Röhrenverstärker
Vor der Modifikation sollte der Verstärker eine Inspektion erhalten.
Inspektionsumfang
Preisspanne: 67,00 € bis 127,00 €
FAQ
Wie bestelle ich?
Da die Modifikationen sehr individuell sein können, schreib uns doch einfach eine Nachricht oder ruf in der Werkstatt an.
Dann klären wir alle offenen Fragen und leiten dich durch das Modifikationsprozedere.
Wenn du schon genau weißt, was du haben möchtest, dann reicht es, wenn du den Verstärker gut verpackt zu uns schickst und einen Anlieferungszettel ausfüllst und beilegst.
Natürlich kannst Du ihn auch persönlich in der Lounge abgeben.
Wie lange dauert es?
Je nach Modifikationsumfang und aktueller Auslastung etwa ein bis vier Wochen.
Gern geben wir am Telefon oder per Email eine genauere Zeitabschätzung ab.
Wie sieht es mit der Gewährleistung/Garantie aus?
Wenn der Verstärker noch in der Herstellergarantie ist (üblicherweise 2 Jahre), erlischt diese, sobald wir einen Eingriff vornehmen.
Für unsere Leistungen gilt die gesetzliche Gewährleistung von einem Jahr.
Aber auch danach stehen wir mit Rat und Tat zur Seite wenn es ein Problem gibt.
Ich brauche etwas Spezielles
Seit 2010 reparieren und modifizieren wir Verstärker und haben jede Menge Erfahrung.
Praktisch jeder Verstärker war schon mal auf unserer Werkbank und hunderte Modifikationen wurden durchgeführt.
Teil uns per Email oder am Telefon Deine Wünsche mit, ich bin sicher wir haben eine Lösung parat.
