+49 (0)8141 88869 71 | Mo-Fr: 10-12/14-18, Sa: 10-14 info@cptgl.com

So, jetzt ist es so weit, zum ersten Mal haben wir einen Dumble Amp im der Captain Guitar Lounge! Um die Kreationen von Howard Alexander Dumble ranken sich ja unzählige Legenden, Mythen und Märchen.
Und kein Begriff wird im Gitarristen-Universum öfter missbraucht als das Wort „Dumble“. Jede Menge Dumble Replikas werden am Markt angeboten, Amps und Pedale, die diesen legendären Ton nachbilden sollen. Aber wie kann das sein, wenn jeder Dumble Amp auf seinen Käufer angepasst wurde und somit anders klingt?

Egal, jetzt steht er hier, der Heilige Gral der Verstärkertechnik. Dumble baute etwa 300 Verstärker bis zu seinem Tod am 16. Januar 2022. Die meisten waren Overdrive Special. Vom Dumbleland Special entstanden nur zwölf Exemplare, dieser hier hat die Nummer 0011.
Ich war anfangs skeptisch. Ok, die Trafos sind monströs, solche Klopper hab ich noch nicht gesehen. Der Apparat wiegt knapp über 30kg. Ohne Flightcase. Die Box kann man alleine gar nicht tragen.

Das Chassis alleine ist schon ein Kunstwerk, aus dickem Aluminium rundum sauber verschweißt um das Gewicht der Trafos zu tragen. Die restlichen Bauteile sind Stand der in den 70er Jahren in den USA hergestellten Komponenten: Sprague Atom Elkos, Sprague Orange Drop Koppelkondensatoren, Kohlepress- und Kohleschichtwiderstände und CTS-Potentiometer. Daran kanns also nicht liegen.
Also haben wir das Gerät an die XP-D12 (Xtended Port Double 12“) Box angeschlossen und den mit zwei Triad Trafos bestückten Spannungswandler davorgehängt.

Von da an war alles anders. Ich hab noch nie einen Amp gehört mit einer solchen Dynamik und auch nur annähernd langem Sustain. Wohlgemerkt, es gibt keine Overdrive Schaltung im Dumbleland, der Amp ist Clean bis der Arzt kommt. Klar kann man den Volume Regler aufdrehen und mit dem Level die Endlautstärke reduzieren, aber die Verzerrung kommt so subtil, dass man sie erst gar nicht wahrnimmt.

So richtig leise kann der Dumbleland nicht. Eine gewisse Grundlautstärke ist von Nöten damit der Amp atmet. Dann ist es laut, aber nicht unmenschlich. Natürlich könnten die 150 Watt die PA in den meisten Bands ersetzen, aber das Geheimnis ist nicht die Lautstärke, sondern die Energie.
Im Amp-Testraum hier in der Lounge hängen ein paar US-Nummernschilder an der Wand. Hingen. Denn die musste ich abnehmen, das Klappern war doch sehr störend. Und auch die anderen Devotionalien wollten gut verstaut oder entfernt werden, um nicht aus den Regalen zu fallen.

Dieser Effekt kann mit dem Drehschalter Step Filters Low eingestellt werden. Dreht man hier die Bässe rein entwickelt sich ein Donnergrollen, dass man Angst hat, die 58er ES335 löst sich in ihre Bestandteile auf. Diese beiden Drehschalter High und Low sind eins der Geheimnisse dieses Verstärkers. Mit ein paar Klicks rauf oder runter kann man hier gezielt und schnell den Sound anpassen, egal ob eine 335 angeschlossen ist oder eine Maple Neck Strat.
Die als gefaltetes Horn ausgebildete Box mit den beiden EVM-12L Speakern macht den Leistungsexzess klaglos mit, die Schnürsenkel flattern lustig im Wind vor dem Schallaustritt in Bodennähe.
Einen Eindruck vom Sound könnt ihr euch auf den Youtube Videos verschaffen:

Die Meisten unter uns haben schlon mal einen Dumbleland gehört. Stevie Ray Vaughan lieh sich in Jackson Brownes Studio unter Anderem einen „Dumbleland“-Amp aus, um ein paar Demos aufzunehmen. Diese Demos wurden als sein Album „Texas Flood“ veröffentlicht. Dieser Dumbleland mit der Nummer #0005 ist jetzt in Besitz von John Mayer.

Zur Historie von #0011 ist folgendes bekannt aber nicht schriftlich belegt: Dieser Dumbleland Special wurde Anfang der 80er-Jahre von der Firma Applied Acoustics (später Gebrüder Roy, Gründer der Firma Kitty Hawk), die von Howard Dumble zur damaligen Zeit mit dem Vertrieb und Service der Dumble-Produkte in Europa beauftragt waren, nach Deutschland importiert und an einen Bassisten aus dem Ruhrgebiet verkauft.
Der hat den Verstärker dann einige Jahre später über eine Anzeige im Fachblatt Musikmagazin an einen anderen Bassisten aus dem Münsterland verkauft.
2007 ging der Amp dann an einen Sammler in Bayern, dort erwarb der aktuellen Besitzer ihn 2017.Tiefere Einblicke in die Technik offenbart Anselm in seinem Beitrag Dumbleland Special #011 –eine technische Analyse
Welcome to the Dumbleland

Und hier zur Erheiterung die Dumble Preisliste von 1978. Der Dollarkurs lag damals bei ca. 2 D-Mark, also quasi einem Euro.
Was der Amp hier in Deutschland bei Applied Acoustics gekostet hat ist nicht überliefert.

Da war doch noch was. Ach ja, die Gitarre.
Neben diesem Kult-Amp geht sie fast ein bisschen unter. Dabei ist diese Goldtop auch etwas ganz Besonderes: Sie gehört zu der auf www.latesixtieslespauls.com genannten EARLY SERIES, die von August 1968 bis Mai 1969 gebaut wurden.

Sie hat noch einen einteiligen Hals aus Mahagoni und ein mittig zusammengesetztes Maple Top. Die Halsbefestigung hat noch den Long Tenon, so wie es in der 50er Jahren gebaut wurde. Beim Logo fehlt der Punkt auf dem i , das b und das o sind oben offen. Also eher Anfang 1969.

Soweit die Theorie, aber schaut euch die Gitarre mal an: Ich hab noch nie eine besser erhaltene Gitarre aus dieser Zeit gesehen. Als der Maximilian sie zu uns in die Lounge gebracht hat dachte ich zuerst es sei ein Instrument aus der aktuellen Produktion vom Gibson Custom Shop. Leider ohne Aging ☹

Bei genauerer Betrachtung war schnell klar, dass dem nicht so ist und wir hier ein einmaliges Sammlerstück vor uns haben.
Der Body besteht aus herrlich geflammtem Mahagoni, das hab ich noch nicht gesehen. Der Lack ist fast jungfräulich, kaum eine Spielspur zu entdecken.

Die Gitarre schwingt toll und hat ein endlos langes Sustain. Kleiner Wermutstropfen: mit 5,1kg sind 3-Stunden-Gigs etwas anstrengend. Aber ich denke, dass die Lady eher auf dem Sofa gespielt wird als auf der Bühne.

Diese 69er Goldtop wie auch den Dumbleland kann man jetzt in der Captain Guitar Lounge käuflich erwerben!

Und hier noch die Outtakes aus den Dumbleland Sessions.

0
    0
    Shopping Cart
    Your cart is empty